Laves Bieneninstitut Celle

Bericht vom Tag der offenen Tür am 2. September 2007

Am Sonntag, den 2. September 2007 lud das Laves Bieneninstitut Celle wie auch schon in den Vorjahren zum Tag der Offenen Tür ein. Da sich das Bieneninstitut in der Südheide befindet und somit mit der Korbimkerei und der Heidebiene verbunden ist (so schien es mir jedenfalls im Vorwege), habe ich als Herausgeber der Seite www.nordbiene.de mich dazu entschlossen, dem Institut einen Besuch abzustatten. Zusammen mit meiner Partnerin machten wir uns auf die gut 2-stündige Autofahrt. Viele Fragen gingen mir durch den Kopf: "Ob wohl noch etwas von dem Flair einer Korbimkerei zu spüren sein wird? Ob wohl ein Volk im Bienenkorb, dem Lüneburger Stülper, zu sehen sein wird? Ob vielleicht sogar noch die alte Heidebiene betrachtet werden kann?"

Nach angenehmer Fahrt durch die violett blühende Heide erreichten wir gegen 11.00 Uhr das Bieneninstitut Celle. Umgeben von einem großzügig angelegten Stadtpark, dem "Französischen Garten", liegt das Institut mitten in der Stadt Celle. Empfangen wurden wir vom Ambiente des alten, stilvollen Fachwerkgebäudes inmitten einer nachempfundenen, lilafarbenen Heidelandschaft.

Da das Wetter zu Tagesbeginn recht kühl und herbstlich-regnerisch wirkte, waren noch nicht viele Besucher da. So konnten wir uns zunächst frei und unbekümmert einen ersten Eindruck vom Bienengarten und vom Institutsgebäude machen. Insbesondere der Bienengarten hat es uns angetan. Auf einer Art Rundweg wurden wir vorbeigeführt an alten Museumsbeuten, einer Werkstatt für Strohkörbe und an wundervollen Bienenpflanzen hin zu den ersten Bienenvölkern: Es waren Korbvölker, untergebracht im Lüneburger Stülper, im Schutze einer Bienenlagd mit 5 besetzten Korbvölkern! Ein wundervoller Anblick. Ob hier wohl noch die alte Dunkle Heidebiene wohnte? Ein späterer, genauerer Blick wird es uns verraten.

Da der Garten voller Entdeckungen zu sein schien, wandten wir uns erst einmal dem Gebäude des Instituts zu, insbesondere auch deshalb, weil das Wetter noch zu herbstlich war. Hier im Inneren trafen wir auf den ersten Menschenauflauf. Es war ein richtiges Gedränge in den zum Teil engen Fluren. Jeder Besucher wollte ein Glas köstlichen Heide- oder Rapshonigs ergattern oder sich einen Platz im Filmvorführraum sichern. Auch die Honiguntersuchungsstelle, der Vortragsraum und das Imkermuseum waren sehr gut besucht. Gut beschriftet wurde die Geschichte unserer Honigbiene in menschlicher Obhut vorgeführt, es waren viele alte Imkereigeräte zu sehen, die zum Teil noch heute verwendet werden. Doch wo ist ein Hinweis auf die damals noch in Deutschland vorhandene Dunkle Biene? Die einzige in Mitteleuropa einheimische Bienenrasse? Das imkerliche Kulturgut, mit dem so wichtige Bienenforscher wie Dzierzon, Zander oder Lehzen gearbeitet haben? Es stimmte uns etwas traurig, dass hier im Inneren des Hauses kein Wort für die Dunkle Biene, die Biene unserer Großväter, übrig ist.

Trotzdem: insbesondere das Bienemuseum fanden wir super und unbedingt sehens- und erhaltenswert. Es waren nicht nur Ausstellungsstücke aus der Heideregion vorhanden, sondern sogar Bienenwohnungen aus Südeuropa und dem tropischen Afrika. Viele Eindrücke im Haus haben wir aufgenommen, zu viele, um sie hier alle wiedergeben zu können.

Da die Sonne zum Vorschein kam, entschlossen wir uns, für längere Zeit im Bienengarten zu verweilen und viel Neues zu entdecken. In uns war die Hoffnung, dass wir vielleicht hier im Garten die alte deutsche, Dunkle Heidebiene entdecken könnten?

Im Garten beeindruckten uns zunächst etliche Bienenhäuser mit originalen, musealen Bienenstöcken, die auch heute noch zum Teil in Gebrauch sind in Deutschland. Wir sahen etliche Blätterstockvarianten, die Nenninger Auszugsbeute, verschiedenste Trogbeuten und Wanderbeuten, die Golzbeute, unterschiedlichste Magazinbeuten. Hinterlader und Oberlader. Es ist fantastisch, beeindruckend und verwirrend zugleich, all diese unterschiedlichsten Bienenwohnungen aus schönstem Holze zu sehen. Wieviel Liebe und Akribie haben die damaligen Imker und Erfinder aufgebracht, um ihrer Biene, der Dunklen Biene, ein Zuhause zu schaffen!

Weiter ging es zu dem "Zuchthaus". Hier wurde die Königinnenzucht dargestellt, und es gab sogar Königinnen zu kaufen. Imkermeister Hansgeorg Schell kam mit dem Verkauf fast gar nicht so schnell nach, wie Imker die Königinnen wegkauften. Ob hier wohl Heidebienen verkauft würden? Womöglich die reine Dunkle Biene? Leider wurden wir auch hier enttäuscht. Schnell stellte sich heraus, dass Herr Schell Königinnen der fremden Carnica-Rasse verkaufte. Es waren Institutsbienen. Begattet in den vielen Swi-Bine Begattungskästchen aus Dänemark (ähnlich dem Apidea Kästchen), die im Institutsgarten standen. Ein schöner Anblick war es dennoch! Trotz der fremden Bienen!

Königinnenzucht ist faszinierend, doch am meisten zog es uns an einen Punkt: wir wollten ja sehen, ob hier in der Lüneburger Heide, dem Zentrum der Heidebienenzucht, dem Erbe einer alten Imkerkultur, noch die alte Dunkle Heidebiene gefunden werden kann. Wir hatten nur eines im Kopf: Vielleicht finden wir die Dunkle Biene noch in den Bienenkörben, die wir ja am Morgen im Bienengarten entdeckt hatten. Da wollten wir jetzt hin! Vorbei an Bienenvölkern und diskutierenden Imkergruppen, an dem Verkaufsstand der Imkergärtnerei Jaesch und an Bienenvölkern in Styroporbeuten erreichten wir endlich den Stand mit den besetzten Körben. Lüneburger Stülper, besetzt mit Bienen in einer original nachgebauten Lagd, ein wundervoller Anblick. Der Lüneburger Stülper war ja einst weit verbreitet und die Bienenwohnung der Dunklen Heidebiene. So lag es nahe, dass auch hier noch Heidebienen wohnten? Wir wollten es wissen!

In aller Ruhe, und doch etwas aufgeregt, näherten wir uns den Fluglöchern der Stülper. Es war reger Bienenflug, und auch Pollen wurde massenhaft eingetragen. 5 Völker in Lüneburger Stülpern, was für ein Anblick! Die Bienen waren nicht gelb, sondern ... grau, schlank und nur mittelgroß. Wieder keine Dunkle Bienen, sondern die Fremdrasse Carnica aus dem Balkan. Nicht einmal ein Anflug von einer auch nur verkreuzten Heidebiene. Unsere Erwartungen, zumindest hier noch die alte Biene vorzufinden, hat sich nicht erfüllt. Traurig waren wir trotzdem nicht, denn auch mit der Fremdbiene sahen die besetzten Körbe (zumindest von weitem) ziemlich originalgetreu aus, und mit etwas Fantasie konnte man sich fühlen wie ein echter Heideimker, inmitten der Lüneburger Heide. Und in Gedanken haben wir auch in diesen Strohkörben die einheimische Dunkle Biene summen gehört.

Dennoch: das Bieneninstitut Celle hat sich von seiner schönsten Seite gezeigt. Uns hat am meisten der Bienengarten mit seinen vielen Museumsstücken fasziniert. Und obwohl wir keine Dunklen Bienen gefunden haben, so wurden wir doch überzeugt von dem Gedanken, dass das Bieneninstitut Celle für den Erhalt und die Forschung an dem Kulturerbe der Dunklen Biene eigentlich prädestiniert ist. Mit etwas Glück und gutem Willen wird sich vielleicht eines Tages das Bieneninstitut Celle der Erinnerung an die Dunkle Biene annehmen.

Dem Institut und allen Mitarbeitern haben wir zu danken für diesen schönen Tag! 2008 kommen wir wieder. Edyta Witczak und Kai-M. Engfer

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