Varroa effektiv behandeln

Kategorie: Die Dunkle Biene Apis mellifera mellifera Veröffentlicht am Sonntag, 02. Januar 2011 Drucken E-Mail

Die Varroa-Milbe Varroa destructor

Varroa effektiv bekämpfen

Gegen Ende der 1970-er Jahre wurde im Zuge von weltweiten Bienenimporten die Varroamilbe Varroa destructor nach Deutschland eingeschleppt. Ausgehend vom Institut für Bienenkunde in Oberursel eroberte sie innerhalb weniger Jahre die gesamte Bundesrepublik. Schon viele Jahrzehnte vorher sprang die Varroa von ihrem Ursprungswirt, der Östlichen Honigbiene Apis cerana, über auf die Westliche Honigbiene Apis mellifera. Anfang der 1980 Jahre musste auch die Imkerei Nordbiene leidvolle Erfahrungen sammeln mit diesem Parasiten. In einem Jahr wurden fast sämtliche Bienenvölker zu Grunde gerichtet; der Bienenabgang erfolgte typischerweise bereits im September nach der Winterauffütterung.

Biologie der Varroa

Wie bereits angedeutet, ist Varroa destructor ein natürlicher Gast in Völkern der Östlichen Honigbiene Apis cerana, wie sie von Afghanistan bis nach Japan vorkommt. Seit Jahrmillionen begleitet sie diese Honigbiene; hier vermehrt sie sich hauptsächlich in der Drohnenbrut. Arbeiterinnenbrut wird so gut wie gar nicht befallen. Aufgrund dieser und sicher noch anderer Faktoren werden die Varroen in einem Volk nie die Anzahl erreichen, die notwendig wäre, um das Volk zu schädigen. Wirt und "Gast" sind aufeinander eingespielt. Die Millionen Jahre währende Koexistenz führte zu einem ausgewogenen Wirt-Schmarotzer-Verhältnis. Dies änderte sich schlagartig, als der Mensch die natürliche Barriere überwand und Mellifera-Bienen in das Gebiet der Cerana einführte. Beide Arten sind einander sehr ähnlich, und es erfolgte ein Überwechseln der Varroa auf die Mellifera.

In den Völkern unserer westlichen Honigbiene, zumindest bei den europäischen Unterarten, richtet Varroa verheerende Schäden an. Neben der Drohnenbrut wird vor allem auch Arbeiterinnenbrut befallen; die längere Entwicklungszeit der Mellifera-Brut kommt der Varroa sehr gelegen. Sie vermehrt sich explosionsartig mit einem Faktor von x100 pro Jahr. Aus mit Varroa befallener Brut schlüpfen verkrüppelte Arbeiterinnen mit sehr kurzer Lebenszeit. Doch auch erwachsene Bienen werden durch die Blutsauger geschädigt; es entstehen offene Wunden, durch die insbesondere Viren eindringen können. Auch diese Bienen haben eine deutlich verkürzte Lebenszeit. Spätestens im 2. Jahr nach erfolgter Varroa-Infektion bricht das Volk zusammen. Typischerweise sind solche Völker im September, Oktober fast bienenleer.

Winter-Behandlung mit Träufelmitteln

Zum Thema Varroa ist bereits sehr viel geschrieben worden, ebenso zu den Behandlungsmöglichkeiten. Die Literatur könnte hier ganze Regale füllen. Aus diesem Grunde sollen hier nur eigene Erfahrungen wieder gegeben werden.

Eines der derzeit (noch) zugelassenen Mittel ist Perizin® von der Firma Bayer. Dies war das erste Mittel, mit dem wir bislang erfolgreich der Varroa entgegen getreten sind. Doch im Spätherbst 2010 kam es trotz Perizin-Behandlung zu erheblichen Varroaschäden. Daraus lässt sich nur folgern, dass eine reine Winterbehandlung nicht mehr ausreicht, und dass eventuell bei Varroa eine gewisse Resistenz gegen dieses Mittel eingetreten ist. Da Perizin darüber hinaus das Wachs und den Honig mit Rückständen belastet, sollte Perizin heute nicht mehr angewendet werden.

Am 31.12.2010 erfolgte die Winterbehandlung in der brutfreien Zeit erstmalig mit dem nun alternativ zur Verfügung stehenden Träufelmittel Oxuvar® von der Firma Biovet-Andermatt. Es ist in der Apotheke erhältlich und besteht aus Oxalsäuredihydrat, das mit dem beigefügten Staubzucker vermischt wird. Oxalsäure kommt in der Natur beispielsweise im Rhabarber vor. Die Behandlung erfolgt ähnlich wie bei Perizin in der brutfreien Zeit, indem die Bienen mit der handwarmen Lösung beträufelt werden. Das Mittel wirkt systemisch, es gelangt also über den Butkreislauf der Bienen in den Wirt. Im Gegensatz zu Perizin ist aber nur eine einmalige Behandlung zulässig und erforderlich.

Winterbehandlung mit Oxalsäure-Verdampfern

Eine weitere Möglichkeit der Behandlung mit Oxalsäure im Winter (wie auch im Sommer) stellen der VARROX®-Verdampfer und der Bienoxal®-Verdampfer dar. Bei beiden wird reine Oxalsäure in Pulverform (Biovet) bzw. als Tablette (Bienoxal) in das Pfännchen gegeben, dieses wird dann durch das Flugloch in das Volk geschoben und an eine 12-Volt Autobatterie angeschlossen. Nach ca. 2 Minuten ist die Oxalsäure verdampft; sie legt sich als feiner Nebel auf Bienen, Waben und die Innenseite der Beute nieder. Durch ihre toxische Wirkung wird eine Varroamortalität von weit über 90% erreicht. Beide Geräte unterscheide sich in ihrer Anwendung kaum voneinander. Lediglich das Gerät von Bionoxal besitzt einen "doppelten" Pfannenboden, um eine zu starke Überhitzung des Bodenbrettes der Beute zu verhindern.

Eine weitere Möglichkeit der Verdampfung von Oxalsäure im Bienenvolk stellen die verschiedenen Entwicklungen von Rohrverdampfern dar. Hier wird Oxalsäure mit Hilfe eines Gasbrenners (Lötlampe) erhitzt und über einen Luftstrom in die Beute verbracht. Bei dem hier vorgestellten Gerät von der Firma WepaEMH erfolgt dies über einen Batterie betriebenen Ventilator. Vorteil dieser Systeme ist die Unabhängigkeit vom Vorhandensein einer Autobatterie samt Ladegerät.

Fotos von Andermatt-Biovet® und Bienoxal® und WepaEMH® freundlicherweise zur Verfügung gestellt:

Sommerbehandlung

Nach allgemeiner Meinung reicht jedoch die Winterbehandlung allein nicht mehr aus, um die Varroa unter der Schadgrenze zu halten. Es wird dringend auch eine Sommerbehandlung empfohlen. Hierzu haben wir uns für Thymovar® ebenfalls von der Firma Biovet-Andermatt entschieden. Thymovar enthält das in der Natur ebenfalls vorkommende Thymol und wirkt über die Verdampfung im Bienenvolk direkt auf die Varroen. Mehr zu Thymovar können wir erst ab Sommer an dieser Stelle berichten.

Foto von Fa. Andermatt-Biovet® freundlicherweise zur Verfügung gestellt:

Für die Sommerbehandlung stehen noch andere Mittel zur Verfügung: Milchsäure und Ameisensäure 60%. Eine Zulassung von Ameisensäure 85% steht unmittelbar bevor; sie wird vom Deutschen Imkerbund befürwortet. Da jedoch Ameisensäure auch die Brut und die Jungbienen schädigt, können wir diese nicht empfehlen. Nur im äußersten Notfall sollte Ameisensäure angewandt werden, und dann auch nur unter strenger Beachtung der Dosis und der Behandlungsart, da es ansonsten zu schwersten Bienen- und Brutverlusten kommt.

Videos

Im folgenden sehen wir 3 Filme der Fa. Andermatt Biovet zu Oxuvar, Thymovar und Varrox:

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