
Kurz: Mellifera, auch genannt: Nordbiene, Schwarze Biene, Nigra, Landbiene, Heidebiene, Nordrasse, Braune Deutsche Biene, Waldbiene
Wussten Sie eigentlich, dass die Dunkle Biene Apis mellifera mellifera die in Mitteleuropa einzige ursprünglich heimische Biene ist? Und dass die Bienen, die wir heute im Allgemeinen hier kennen, Fremdbienen sind, die seit ca. 150 Jahren hier gezüchtet werden und aus dem Süden stammen? Und dass deswegen die einheimische Dunkle Biene in Deutschland ausgerottet wurde, von Imkerhand?
Da kaum jemand in Deutschland die Dunkle Biene heute zu Gesicht bekommt, möchte ich Sie gerne einladen, mit mir die Mellifera im Folgenden kennenzulernen. Was ist die Dunkle Biene?, wird sich sicher manch einer fragen, oder Woher kommt die Mellifera? Folgende Abschnitte sollen also helfen, das Wissen über die "Nordbiene" zu verbreiten.
Was ist die Dunkle Biene?“ wird sich sicher manch einer fragen, oder „Woher kommt die Mellifera?“ Nach dem Ende der letzten Eiszeit vor ca. 10.000 Jahren hat es von allen europäischen Rassen lediglich die Dunkle Biene geschafft, aus ihren Refugien in Südfrankreich nach Norden zu wandern. Gemeinsam mit dem Wald, also der Eiche, der Hasel und anderen Arten konnte sie im Zuge der Klimaerwärmung ihre Wanderung nach Norden antreten. Sie ist die einzige Biene nördlich der Alpen und unsere einzige einheimische Biene. Ihr natürliches Verbreitungsgebiet reicht von den Pyrenäen im Westen bis zum Ural im Osten, von Südfrankreich bis zur Norwegischen Grenze. Die Mellifera gehört laut Ruttner zur Westmediterranen Rassengruppe und ist genetisch mit der Sizilianischen, der Iberischen, der Rif- und der Tell-Biene verwandt. Die Dunkle Biene ist also in den Ländern Frankreich, Belgien, Holland, Luxemburg, Großbritannien, Irland, Norwegen, Schweden, Dänemark, Deutschland, Polen, Tschechien, der Nordschweiz, Nordwestösterreich, Weißrussland, der Nord-Ukraine, Litauen, Lettland, Estland und Russland die einzige ursprünglich vorkommende Hongbiene.
Aufgrund des großen Verbreitungsgebietes der Mellifera wundert es nicht, wenn die Eigenschaften dieser Biene von Gebiet zu Gebiet Schwankungen unterworfen sind. Dennoch sind folgende Eigenschaften für alle Mellifera-Bienen typisch:
Insbesondere die Sanftmut bzw. das immer wieder angeführte Argument der angeblichen Aggressivität der Dunklen Biene führt auch heute noch zu teilweise emotionalen Diskussionen unter den Imkern. Jeder, der mit dieser Biene jedoch eigene Erfahrungen sammeln konnte, wird bestätigen können, dass es sich um eine sehr sanfte, gutmütige Unterart der Honigbiene handelt. Weder der Autor noch irgend ein anderer Züchter der Dunklen Biene kann eine erhöhte, erbliche Stechlust dieser Biene feststellen oder bestätigen. Stets kann an Mellifera-Völkern ohne jegliche Schutzkleidung gearbeitet werden. Diese Sanftmut erstreckt sich erfahrungsgemäß auch auf F1- und F2-Nachzuchten bei Standbegattung mit Carnica- oder Buckfastdrohnen.
Äußerlich ist die Mellifera eine große, breite Biene mit schwarzem Chitinpanzer und schmalen, kaum erkennbaren Filzbinden. Größere gelbe Farbzeichen kommen bei der Dunklen Biene nicht vor; allenfalls kleine lederbraune Ecken auf dem zweiten Hinterleibssegment. Der Kubitalindex liegt immer deutlich unter 2.0, im Mittel bei 1,7. Die Dunkle Biene besitzt einen relativ kurzen Rüssel und ein langes braunes Überhaar. Der Gesamteindruck der Bienen auf den Waben ist seiden-glänzend-schwarz. Die Mellifera ist somit von den Südrassen (Carnica, Buckfast) leicht zu unterscheiden. Schwierigkeiten bereitete bisher allerdings die zuverlässige Unterscheidung der reinen Mellifera von ebenfalls dunklen Bienen mit leichtem Fremdrasseeinschlag. Dies gelingt nämlich mit den bisherigen Methoden des Kubitalindex und der Haarlängenmessung nicht. Heutzutage werden zur sicheren Abgrenzung der reinen Mellifera zwei weitere Indizes des Flügelgeäders in die Merkmalsuntersuchung mit einbezogen und anhand der am Institut für Bienenkunde in Oberursel entwickelten Diskriminanzanalyse ausgewertet: dies sind die Diskoidalverschiebung und der Hantelindex. In naher Zukunft wird die Gentechnologie eine weitere, vielleicht entscheidende Rolle bei der Unterscheidung der Bienenrassen spielen.
Wie wir gesehen haben, ist die Dunkle Biene die in Mitteleuropa einzig heimische Biene. Leider wurde sie während der letzten 150 Jahre durch Fremdimporte bis an den Rand der Ausrottung gedrängt. Dennoch ist die Aussage vieler Gegner der Mellifera-Zucht falsch, die Dunkle Biene gebe es nicht mehr. In einigen Ländern Europas haben sich Imker, Züchter und Artenschützer zusammengefunden, um die Dunkle Biene vor dem endgültigen Aussterben zu bewahren. In Schweden, Norwegen, Großbritannien und der Schweiz bestehen bereits seit einigen Jahren Vereinigungen zum Erhalt der dort noch vorkommenden Mellifera. In anderen Ländern wie Polen, Finnland, Österreich, Belgien und Dänemark wird der Erhalt der Nordbiene von Privatleuten und Instituten gefördert. In Deutschland wurde am 19. November 1994 die „Gemeinschaft zum Erhalt der Dunklen Biene e.V.“ gegründet. Es scheint, als ob das Interesse an unserer alten Hausbiene in den letzten Jahren wieder zugenommen hat, wohl nicht zuletzt durch die Publikationen des Autors und das Internetportal www.nordbiene.de. Auf internationaler Ebene kümmert sich die SICAMM, der Dachverband der europäischen Melliferaverbände, um den Schutz der Dunklen Biene.
Heute kommt die reine Mellifera noch in folgenden Gebieten vor:
Für Deutschland gelten bei der Erhaltungsarbeit folgende Ziele:
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